Sonntag 17. Dezember 2017

Inhalt:

Interview mit Glücksforscher Manfred Rauchensteiner

 

Wer auf google den Begriff Glück einträgt, erhält etwa 190.000 Treffer.

 

Es gibt ein Land – nämlich Bhutan -  das den Wohlstand in Bruttonationalglück misst und auch einen eigenen Glücksminister hat.

 

Aufgrund dieser Überlegung und des Vortrages im Zuge der Sommerakademie haben Luis Cordero und Reinhard Kaspar ein paar Fragen an den Glücksforscher Manfred Rauchensteiner gestellt.

 

 

Ypsilon: Wie definieren sie Glück?


Rauchensteiner: Glück ist das was automatisch entsteht, wenn ich aufhöre mir Unglück zu bereiten.


Ypsilon: Bei ihren Thesen ist immer die Rede von „Aufwecken – Menschen aus dem Tiefschlaf des Alltags holen“ – was heißt das für Männer, was heißt aufwecken?


Rachensteiner: Generell heißt aufwecken, dass ich sehr bewusst gewisse Dinge mache. Das heißt, dass ich immer mehr Verhaltensweisen, die ich mir angeeignet habe, immer mehr anschaue und überprüfe und dann bewusst entscheide, will ich das so leben, oder nicht. Ich beobachte mich selber wie ich auf gewisse Situationen oder Geschehnisse reagiere und entscheide, möchte ich jemand sein, der so oder so reagiert, oder würde ich gerne jemand anderer sein oder anders reagieren, wenn ich nur wüsste wie ich könnte. Nicht etwas machen, weil es alle so tun, sondern wirklich zu entscheiden, wie will ich auf diese Situation in Zukunft reagieren, wenn so eine Situation auftaucht.

Ypsilon: Wenn ein Mann sagt – Ja ich möchte das so ändern – was ist dann der nächste Schritt?


Rauchensteiner: Der Schritt ist, dass er etwas anderes tut als früher, mehr braucht er da nicht machen. Eine Veränderung ist ganz einfach – ich habe nur etwas zu tun als normalerweise und dann ist automatisch eine Veränderung damit verbunden. Wenn ich immer das gleiche mache, habe ich keine Veränderung.

 

Ypsilon: Im Vortrag war eine Aussage „Glücklich sein ist eine Entscheidung, die man selber macht!“


Rauchensteiner: Ich kann mich immer dafür entscheiden, glücklich zu sein, egal was passiert. Von dem her ist es eine Entscheidung, aber wahrnehmen tue ich über das Körpergefühl. Aber es ist ein schlechtes Ziel, immer glücklich sein zu wollen, weil dies wird nicht passieren. Es wird etwas auftauchen im Leben worüber ich nicht glücklich bin wie zum Beispiel  einen Strafzettel am Auto. Ich bin zuerst enttäuscht, aber jetzt habe ich den Strafzettel und  ich nehme dafür jetzt Verantwortung, sonst hätte ich ja keinen Strafzettel. Ich akzeptiere den Strafzettel und habe somit den Widerstand aufgelöst. Es geht immer durch Akzeptanz. Akzeptanz ist immer etwas was automatisch ein glückliches Gefühl bereitet – automatisch, da brauchen wir uns überhaupt nicht mehr darüber kümmern. Wenn ich etwas akzeptiere, so wie es ist, macht mein Körper nicht zu, da habe ich keinen Widerstand.

 

Ypsilon: Ihre Empfehlung ist also „ Man(n) sollen zu den Gefühlen stehen?“


Rauchensteiner: Ja, sich erlauben glücklich, aber auch unglücklich zu sein. Es gibt Diskrepanzen, weil es Geschehnisse in meinem Leben geben kann, die ich nicht haben möchte. Diese machen mich automatisch kurzfristig unglücklich, wie lange ich aber unglücklich bin, ist wiederum eine Entscheidung. Dass das Gefühl auftaucht, dass es mir nicht gut geht, das kann ich nicht verhindern, das wird immer so sein, aber ich kann bestimmen, wie lange ich in dieser „Verurteilung“ drinnen bleibe oder nicht. Auch bei einem Betrug kann ich entscheiden, will ich mit diesem Partner weiterleben oder nicht. Diese Entscheidung liegt absolut – zu 100% - bei mir. Je bewusster diese Entscheidung ist, desto besser fühlt sie sich an.

Ypsilon: Männer wollen oft glücklich mit einer anderen Person sein – oder glauben, nur mit einer anderen Person glücklich sein zu können.


Rauchensteiner: In diesem Moment stelle ich mich in eine Abhängigkeit indem sie glauben, es geht mir nur geht, wenn der andere Mensch da ist.  Das stimmt aber nicht, denn egal wie gut die Beziehung ist, es wird immer etwas auftreten, wo mich der andere scheinbar unglücklich macht. Das ist immer dann, wenn ich glaube, der andere sollte wieder anders sein als er ist. Der Verstand nimmt immer auch die härtesten Fälle –so z. B. könnte ich auf meine Frau ganz stolz sein, dass sie so mutig ist, dass sie mich betrügt, weil sie muss damit rechnen, dass ich sie verlasse – wäre eine Haltung (lacht); icch habe es anders gelernt und werde es anders machen, aber wenn es mir wichtig ist, dass ich möglichst schnell wieder schmerzfrei (leidfrei) bin, ist dies Haltung die beste um zu sagen „Schatzi, du darfst es jetzt leben, wie  immer du willst, nur ich bin nicht mehr dabei!“

 

Ypsilon: Wie wird glück erforscht?

 

Rauchensteiner: Es geht ganz viel um Befindlichkeiten – was macht etwas mit einem, wenn dies oder jenes in deinem Leben passiert. Es ist dies das Abfragen der Vorderseite deines Körpers –zwischen unter dem Kinn und Bauchnabel; fühlt es sich eingeengt und druckvoll an oder weit und leicht. Kann ich gut tief Luft holen oder bleibt mir der Atem weg. Es gibt Botenstoffe, die unser Körper produziert und nach diesen Botenstoffen wird gefragt, d.h. ich messe Hautwiderstände, Energieflüsse etc.  Die Botenstoffe haben alle eine gewisse Lebensdauer im Körper und so entstehen Messreihen. Überprüft wird das durch Vorgabe von Situationen. Blutabnahmen vor und nach einer Streitsituation,…über Materie bekomme ich messbar Informationen, was dies im Körper auslöst. Glück ist etwas, das bei jedem Menschen gleich ist und gleich stattfindet, auch wenn wir glauben es gibt verschiedenen Dinge, die es auslösen – Ja, aber es immer das Gleiche – entweder der Körper macht (freies Atmen) auf, dann findet Glück statt  oder der macht zu (Atemnot), dann findet das Gegenteil statt.

 

Ypsilon: Was kann man der KMB empfehlen, damit die Männer glücklich sein können?


Rauchensteiner: Die zentrale Frage dazu ist, wozu ist dir das überhaupt wichtig, dass andere Menschen glücklich sind? Du willst das wahrscheinlich deshalb, dass es dir besser geht, weil unter lauter glücklichen Menschen fühlen wir uns meistens wohler – nicht immer – es kann sein, dass du es ihnen neidig bist, dass sie alle glücklich sind. Es gibt keine Bedingung, dass sich etwas gut anfühlt oder etwas gut ausgeht.  Egal was passiert im Leben, es kann sich immer daraus etwas Gutes entwickeln oder Schlechtes. Etwas Angenehmes oder Unangenehmes, du wirst es nie wissen. Es wird einen Zeitpunkt geben, wo du etwas wahrnimmst und dieser Zeitpunkt ist immer im Jetzt.
Jetzt fühlt sich etwas gut an, jetzt fühlt sich etwas schlecht an. Es gibt viele Ereignisse in der Vergangenheit, die sich absolut schlecht angefühlt haben, aber wenn es sich damals nicht so schlecht angefühlt hätte, dann wäre dieses oder jenes in meinem Leben nicht entstanden. Das sieht man oft bei Freundschaften und Beziehungen. Verlassen oder betrogen werden sind ganz schmerzhafte Erlebnisse, aber vielleicht in einem Jahr darauf führt das zu wundervollen Begegnungen oder auch dass du voll traurig bist, weil dein Auto kaputt ist und auf einmal hast du ein neues Auto, voll Freude hast du nun ein neues Auto, das du nicht hättest, wenn das alte Auto nicht kaputt gegangen wäre. Auf diese Tatsachen weise ich die Menschen immer wieder darauf in. Je früher du dir vorstellen kannst, dass etwas wegbricht, das ich nicht haben möchte, automatisch auch etwas Gutes entstehen kann, dann bist du viel schmerzfreier in deinem Leben.

 

Ypsilon: Bhutan und Bruttonationalglück- Glück ist wichtiger als Wirtschaft


Rauchensteiner: Es ist im Gesetz verankert. Alles was sie tun ist, dass sie wirklich Zeit und Geld investieren, dass es den Menschen dort möglichst gut geht. Sie fragen auch ziemlich viel an Befindlichkeiten ab. Die Einreise in Bhutan heute kostet richtig richtig Geld und mit diesem Geld finanzieren sie ihre „Forschung“. Sie fragen sehr häufig ab, was jede Person gerne an Verbesserung an Lebensqualität  hätte. Wovon bräuchtest du noch mehr, um glücklich zu werden? Der Staat hat ein hohes Interesse daran, dass es dem Menschen gut geht. Sie schauen auch, dass die das möglichst oft und möglichst schnell auch umsetzten. Dazu gehört – so wie in Dänemark -, das eine Hochburg in der europäischen Union ist in Sachen „gut gehen„ ist, eine rasche Umsetzung. In Dänemark gehört das Anpassen des Schulsystems genau so dazu wie ein Leben in möglichst hoher Sicherheit. Dänemark ist aus meiner Sicht der Vorreiter in Europa – hauptschlich beschäftige ich mich mit dem Schulsystem – ist ganz ganz weit vorne, weil sie dezentralisiert haben. Jeder Schuldirektor hat vollen Handlungsfreiraum, was und wie sie unterrichten.  Jeder Bürger kann sich einlesen, welchen Hauptphilosophie welche Schule hat und so entscheiden die Leute, wohin sie ihr Kind geben. Es liegt in deiner voll freien Entscheidung, wohin du dein Kind hingibst. Sollte das System für dein Kind nicht passen, so hast du die Freiheit, dein Kind jederzeit auch in eine andere Schule zu geben. Sie wollen die Fähigkeiten, die die Kinder schon angelegt haben bestmöglich fördern.

 

Ypsilon: Es wird oft gesagt, je weniger ein Mensch (eine Gesellschaft) hat, desto glücklicher ist er/ist sie?

 

Rauchensteiner: Das kann richtig sein oder auch nicht. Wichtig ist, dass die Grundbedürfnisse erfüllt sind; das Überleben muss gesichert sein, dass du nicht erfrierst, dass du nicht verhungerst. Alles andere sind Zuckerl, die die einen glücklich oder unglücklich machen können. Es gibt Personen, die haben Existenzängste, obwohl sie Millionen auf der Kante haben. Diese Existenzängste sind berechtigt, aber jeweils nur für diese Person, nicht für jemanden der überhaupt nicht in die Nähe eines solchen Vermögens kommen kann. Wir haben eventuell kein Verständnis für das, aber es ist dem Körper des Betroffenen total egal, zeigt die Symptome von „Luft wegbleiben“. Wenn Angst da ist, ist Angst da. Es kann genauso, dass jemand bei Angst vor Spinnen hat und der andere nicht. All diese Gefühle sind nicht direkt mit der Außenwelt gekoppelt, sondern sie sind in dir drinnen. In Wirklichkeit ist das ganze Leben in dir drinnen – es gibt überhaupt nichts da draußen – du nimmst alles über deine Sinnesorgane wahr (Augen, Ohren, Nase, ….) und somit aus dir heraus. Wir Menschen haben aber die Möglichkeit zu sagen, es ist von außen. Es ist so wie mit der Zeit, die es eigentlich nicht gibt, weil es immer Jetzt ist. Wir machen uns etwas aus, aber es ist immer im Jetzt. Jetzt ist immer der einzige Zeitpunkt, wo du eine Empfindung, einen Gedanken, etc..  haben kannst.

 

Ypsilon: Zum Jahresthema - heißt Leben in Fülle gleichzeitig glücklich sein?

 

Rauchensteiner: Wir müssten zuerst Fülle definieren – ein erfülltes Leben ist auf der einen Seite wieder für jeden Menschen was anderes (so wie wir eben verschieden ticken, es kann meinen Kindern gut, gehen, aber mir persönlich nicht), Fülle ist wieder ein Körpergefühl und wenn sich mein Körper leicht anfühlt, so ist das mit Glück in Verbindung zu bringen. Aber das sind nur Konzepte – nur Worte, die für unterschiedliche Leute, unterschiedliche Bedeutungen haben. Es braucht immer eine genaue Definition, sonst ist alles Konzept und ein Konzept ist alles, was nicht greifbare Materie ist.

 

Luis Cordero, Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter der KMBÖ

Reinhard Kaspar, Organisationsreferent der KMB-Linz

Männnermagazin Ypsilon

Ypsilon ist eine österreichische Männerzeitschrift mit einem unverwechselbaren Inhalt: Aus der Quelle des christlichen Glaubens vertreten wir ein ganzheitliches Mann-Sein. Der ypsilon-Leser lebt seine Beziehungen partnerschaftlich in Familie und Beruf, er ist – gesundheitsbewusst – den angenehmen Seiten des Lebens nicht abgeneigt, er interessiert sich aktiv für politische Vorgänge und setzt sich mit einem weiten Horizont für einen weltweit gerechten Austausch der Güter ein. Ypsilon erscheint in sechs Ausgaben jährlich und wird an 35.000 Männer in ganz Österreich versendet.

 

Das aktuelle Heft zum Anschauen finden Sie hier: Ypsilon online

 


 

 

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Frage des Monats:

Kaufen Sie einen Christbaum?

 

 

Frage im November:

Soll der Heilige Nikolaus Familien besuchen?

89% antworteten mit Ja, wichtig; 11% antworteten Ja, aber ohne Bart, 0% meinten Nein.

 





 

 

 

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