Mittwoch 20. September 2017

Inhalt:

Auf der Suche nach einem Leben in Fülle: 31. Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreich (KMBÖ)


Vom 12. bis 15. Juli 2017 fand die 31. Sommerakademie der KMBÖ in St. Pölten statt. Bei der traditionellen Veranstaltung der größten Männerorganisation Österreichs wurden vier Tage Vorträge und Workshops zum Thema Leben in Fülle gehalten.

 

Dokumentation Sommerakademie 2017
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Referat von Dr. Christian Scharinger, MSc: Leben in Fülle. Was ist das?
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Referat von Mag. Florian Wukovitsch: Gedanken zum Leben aus der Fülle. Link zum Downloaden: PDF-Datei


Die 31. Sommerakademie der KMBÖ wurde mit einem Gottesdienst, geleitet vom emeritierten Militärbischof Mag. Christian Werner und EKan. Msgr. Willibald Steiner, geistlicher Assistent der KMB der Erzdiözese Wien, eröffnet.  „Gütiger Gott, du machst die Herzen der Menschen hell durch das Wirken des Heiligen Geistes. Gib, dass wir, Männer und Frauen bei der Sommerakademie, in diesem Geist erkennen und tun, das recht ist, und allzeit deinen Trost und Hilfe erfahren“, so em. Militärbischof Werner.

 

Msgr. Steiner und Bischof Werner

 

 

Msgr. Willibald Steiner betonte in seiner Predigt zum aktuellen Jahresthema: „Was ist ein Leben in Fülle? Wir Christen hoffen auf eine absolut gute Zukunft. Wir hoffen darauf, dass das Leben stärker als der Tod ist.  Wir Christen hoffen, aufgrund unseres Glaubens, dass unsere Hoffnung stärker ist als unsere Resignation, dass das Gute, das wir erfahren und tun, mächtiger ist als das Böse, das wir vielleicht antun“.

 

Ein erfülltes Leben – was ist das?

 

Dr. Christian Scharinger, MSc diskutierte mit den 60 Mitgliedern, die zur Eröffnung der Sommerakademie kamen, die Frage, was ein erfülltes Leben sein kann.  Aristoteles beste Antwort darauf sei, meinte Scharinger, das Konzept der Eudamonia (Zufriedenheit oder Aufblühen des Lebens). Um dieses Konzept zu erklären,  stellte Scharinger fest: „Ein Leben in Fülle beinhaltet ein kohärentes Leben (Gestaltung des eigenen Lebens),  ein gesundes Leben, ein balanciertes Leben (Balance zwischen Beruf, Familie/Partnerschaft, Freundschaften und Spiritualität) und ein sinnvolles Leben.“

Dr. Christian Scharinger

 

„Das Aufblühen des Lebens findet sein Fundament in den fünf Säulen des Wohlbefindens nach Prof. Martin Seligman, das mit dem englischen Kunstwort PERMA abgekürzt wird: Positive Emotionen (Postive Emotions), Einsatz (Engagement), Beziehungen (Relationships), Sinn (Meaning) und Zielerreichung (Achievement)“, unterstrich Scharinger.

 

Die Sommerakademie der KMBÖ findet jedes Jahr in der ersten gemeinsamen Ferienwoche der österreichischen Bundesländer statt. An den Vormittagen werden Referate zum aktuellen Jahresthema gehalten. An den Nachmittagen werden diese Vorträge dann vertieft behandelt. Die Teilnahme an der Sommerakademie steht allen Interessierten offen, dies gilt ebenso für die Teilnahme an den spirituellen Angeboten.

 

Leben aus der Fülle

 

Am Donnerstag, den 13. Juli, referierten Mag. Florian Wukovitsch, Umweltreferent der Arbeiterkammer Wien und Manfred Rauchensteiner, Glücks- und Emotionsforscher. Thema des Tages war „Leben aus der Fülle“.

 

Mag. Wukovitsch erklärte seine Gedanken zum „Leben aus der Fülle“. Er präsentierte sein Referat in drei Teilen.  Im ersten Teil stellte er die Herausforderungen des Energieverbrauchs und Klimapolitik vor, der zweite Teil beschäftigte sich mit dem Begriff „imperiale Lebensweise“, der dritte Teil stellte die Frage: wenn wir diese imperiale Lebensweise nicht leben, wie schaut ein alternatives „Leben aus der Fülle“ aus?

 

Nach einer kurzen Darstellung des Anstiegs der Energie für die Erhaltung des westlichen Lebensstandards erklärte Wukovitsch den Begriff „imperiale Lebensweise“ von Ulrich Brand und Markus Wissen, die seit vielen Jahren in der globalisierungskritischen Bewegung in Wien und Berlin aktiv sind.Immer mehr Menschen - im Westen und zunehmend aber auch im Ländern des Südens - machen sich eine imperiale Lebensweise zu eigen. Die imperiale Lebensweise bedient sich an den ökologischen und sozialen Ressourcen andernorts, um sich selbst einen hohen Lebensstandard zu sichern. Wir sind sehr stark von globalen Produktion abhängig“, so Wukovitsch.

 

 

(v.l.n.r.) KMBÖ-Obmann-Stv. Helmut Dachs, Mag. Florian Wukovitsch,

Manfred Rauchensteiner

 

Welche sind die Alternativen zur diesen Lebensweise? Nach Wukovitsch sind drei Konzepte bzw. Strategien möglich: Green Economy bzw. Green Growth (Innovation und Technologie zur Effizienzsteigerung), Gutes Leben für alle (Regionalisierung von Produktion und Handel, Bestandsoptimierung statt Wachstum, Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung) und ein gerechter Strukturwandel (Beteiligung der Sozialpartner an der Transformation und Verteilungsgerechtigkeit).

 

Manfred Rauchensteiner stellte die Frage im Raum: „Wozu möchtest du in der Fülle leben?“. Zuerst sollten die Anwesenden eine andere Frage beantworten und zwar „wie sie sich fühlen“. Rauchensteiner: „Wie findest du raus, wie es dir geht?, dein Verstand möchte nicht diese Frage beantworten, weil es dem Verstand unangenehm ist." Mit weiteren provokanten Fragen stellte Rauchensteiner fest: „Jeder soll Verantwortung übernehmen, wie es ihm oder ihr geht“. Weiters der Glücksforscher: „Du kannst entscheiden, wie es dir geht. Glücklich ist, wer sich auch glücklich fühlt. Als Mensch hat man die Möglichkeit sich über alles ärgern, über Sachen, Menschen oder sich selbst. Aber das ist deine Entscheidung, du kannst dich darüber ärgern oder dich über andere Sachen oder Menschen freuen.“

 

Leben miteinander


„Leben miteinander“ war das Thema am Freitag. Referenten waren der ehemalige Landeshauptmann von Vorarlberg Dr. Herbert Sausgruber und Mag. Pablo Rojas de los Rios, klassischer Pianist und Lehrender an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Mag. Pablo Rojas und Dr. Sausgruber diskutierten über die Voraussetzungen für ein Leben miteinander. Der kolumbianische Pianist erzählte von seinem Lebenslauf, der durch Live-Musikstücke wie die Arie der Goldberg Variationen von Johann Sebastian Bach begleitet wurde. „Ich bin der Überzeugung, dass es durch Musik zu einem besseren Miteinander kommt. Musik kann unter anderem zur Schärfung soziale Beziehungen beitragen. In den Prinzipien der Musik und ihre Gesetze finden wir inspirierende Lösungen für unser alltägliches Leben, sowie auch für große Politische Entscheidungen. Die Musik lehrt uns Transparenz, Macht, Toleranz und Respekt.“

 

Der Professor an der Musikuniversität Wien erklärte:  „Die Musik zeigt uns, dass Persönliches und Gesellschaftliches keine getrennten Wesen sind, sondern in permanenter Beziehung zueinander stehen. Ein gutes Beispiel dafür ist das „Sistema de Orquestas Juveniles in Kolumbien“  (Programm von Jugendorchestern). Das staatlich geförderte Programm in Südamerika hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen – insbesondere solchen aus schlechten sozialen Verhältnissen – eine fundierte musikalische Ausbildung zu ermöglichen und ihnen eine andere Lebenschance zu geben.“

 

Mag. Pablo Rojas

 

Dr. Herbert Sausgruber,  Landeshauptmann in Vorarlberg von 1997 bis 2011, betonte zum Thema „Leben miteinander“ in seinem Vortrag: “Mein Zugang zum Leben miteinander ist ein Erfahrungszugang, d.h. Erfahrung und Beobachtung von Verhalten in Gemeinschaften. Welche Verhalten führen zu einem guten Miteinander von Gemeinschaften? Und gibt es Verhalten, die das Gegenteil bewirken? Eine der größten Überraschungen war festzustellen, dass die Grundverhaltensmuster in großen und kleinen Gemeinschaften gleich sind. Es gibt einen Kampf zwischen Emotion und Logik bzw. Verstand. Es gibt die Tendenz schnelle Lösungen für ein Problem zu suchen. Wie geht man damit um, dass Wünsche da sind aber keine schnelle Lösungen? In jeder Gemeinschaft sollte man sich mit Wünschen oder Problemen ordentlich befassen, nicht nur schwarz-weiss sehen, sondern eine durchdachte Strategie entwickeln.“

 

Dr. Sausgruber betonte: “Eine andere Beobachtung ist die Frage der Identität: die Rolle von Identitäten von Gemeinschaften und was das in einer Welt bedeutet  die nach Offenheit verlangt. Die Zugehörigkeit einer Gruppe hat eine wesentliche Funktion, das unterschätzen viele Leute, weil das Wir-Gefühl zu Problemen führt. Das Wir-Gefühl stärkt die Gruppe, aber dieses Gefühl soll respektvoll offen gegenüber andere Gruppen, d.h. tolerant sein.“

 

Dr. Herbert Sausgruber

 

Dr. Sausgruber zum Leben miteinander: „Integration bedeutet, dass Gruppen die bei uns leben aus anderen Kulturen kommend nicht ihre Identität aufgeben müssen und sollen, aber den gemeinschaftlichen Rahmen und unsere Verfassung akzeptieren müssen. “

Beide Referenten stimmten darin überein, dass ein Leben miteinander nur in einer Gesellschaft von Toleranz und Akzeptanz möglich ist.

 

Die 31. Sommerakademie der KMBÖ endete am Samstag, den 15. Juli, mit den Referaten vom Theologen  MMag. Rudolf Kaiser und Pater Erhard Rauch SDS, Pfarrer von St. Michael in Wien, die über das Thema „Leben auf Gott hin“ referierten. Der Abschluss der Sommerakademie bildete ein Gottesdienst mit Pfarrer Andreas Jakober, Geistlicher Assistent der KMBÖ.

 


 

Frage des Monats:

Sollen ab 2030 keine Pkw mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden?

 

 

Frage im Juli:

Ist Frauenfußball lustiger als Männerfußball?

24 % antworteten ja, viel lustiger, 6 % Ja,  5 % nein und 65 % meinten, man kann sie nicht vergleichen.

 

 

 

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