Sonntag 21. Oktober 2018

Inhalt:

32.Sommerkademie fand vom 11. bis 14. Juli 2018 in St. Pölten statt.


 

Hier können Sie die Online Dokumentation der Sommerakademie 2018 downloaden:

 

Online Dokumentation Sommerakademie 2018.doc

 

 

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"Von der Ohnmacht zur Wirkmacht":  Die 32. Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) zum Jahresthema "Partizipation" fand vom 11. bis 14. Juli 2018 in St. Pölten statt.

 


Ein Gottesdienst in der Kapelle im Bildungshaus St. Hippolyt eröffnete die Sommerakademie. Pfarrer Mag. Erich Hitz predigte über das Gleichnis der anvertrauten Talente.

 

KMBÖ-Vorsitzender DI Dr. Leopold Wimmer eröffnete die Jahrestagung mit einem Appell zur Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs statt eines Rückzugs angesichts der aktuellen von Gegensätzen geprägten Zeit. „Von der Ohnmacht zur Wirkmacht lautet das Motto unserer Sommerakademie: Die Vorträge und Diskussionen unserer Sommerakademie sollen unsere Mitglieder und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermutigen und befähigen am öffentlichen Diskurs teilzunehmen. Als Richtschnur gelten gerade für das Thema Partizipation die Prinzipien der Katholischen Soziallehre: Personalität, Subsidiarität und Gemeinwohl“, erklärte DI Dr. Leopold Wimmer, Vorsitzender der KMBÖ.

 

Der Journalist und Medienberater Dr. Peter Pelinka eröffnete die Sommerakademie mit einem Vortrag  mit dem Titel „Was notwendig ist, um etwas zu bewirken”. Pelinka präsentierte 3 Thesen zu Macht, Medien und Politik in Zeiten der Globalisierung. "Was nicht kommuniziert wird, ist nicht", zitierte Pelinka den deutschen Soziologen Niklas Luhman zur Teilnahme jedes Einzelnen am politischen und medialen Geschehen. Die Zivilgesellschaft müsse sich das zu Herzen nehmen. Dies gelte umso mehr, als Demokratie durch eine "Mediokratie" infrage gestellt sei. Letztere verringere "echte Teilhabe" von Menschen, verwies Pelinka u.a. auf eine wachsende Kluft zwischen "Informierten" und "Nichtinformierten" trotz der neuen Möglichkeiten der weltweiten Information.

 

Dr. Pelinka erklärte zur Partizipation in der Mediengesellschaft: “Um eine wirksame Botschaft zu verbreiten, um etwas bewegen zu wollen, müssen wir die klassischen W-Fragen des Journalismus beachten. Wer? Was? Wen? Wie? Wann?“ Pelinka erklärte: „Zuerst: Wer bin ich oder sind wir? Welche Motive haben wir? Zweitens: Was? Was ist die Botschaft, die ich vermitteln will? Welche ist unsere Geschichte? Drittens, wen will ich erreichen? Welche Zielgruppe kann ich realistisch erreichen? Wie möchte ich meine Botschaft verbreiten? Verwende ich Druckmedien oder elektronische Medien, also, wie spreche ich jemanden an? Die letzte Frage lautete: Wann möchte ich meine Zielgruppe erreichen?“

 

 

Dr. Peter Pelinka (li.) und Vorsitzender DI Dr. Leopold Wimmer

 

Donnerstag: Talente und Fäahigkeiten entfalten

 

St.Pölten, 13.07.2018 (KAP) Viele Kinder aus armutsbetroffenen Familien in Österreich haben "keine oder eine geringe Chance, ihre Talente zu entdecken und entwickeln": Darauf hat Christoph Riedl-Daser, früherer ORF-Religionsjournalist und jetzt Bereichsleiter für Soziales und Kommunikation der St. Pöltner Caritas, hingewiesen. 18 Prozent der Bevölkerung und damit immerhin 1,5 Millionen Menschen seien aktuellen Daten zufolge armuts- oder ausgrenzungsgefährdet und bräuchten zur Verbesserung ihrer Situation und ihrer Zukunftsaussichten Solidarität. Riedl-Daser erinnerte im Rahmen der Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung (KMBÖ) an einen Appell von Papst Franziskus: Es gelte eine neue Mentalität zu schaffen, die dem Gemeinwohl Vorrang gegenüber der Aneignung der Güter durch einige wenige einräumt.

Thema der diesmal von 11. bis 14. Juli in St. Pölten stattfindenden 32. KMBÖ-Sommertagung ist "Von der Ohnmacht zur Wirkmacht". Weitere Referenten waren Pfarrer Helmut Schüller und Boris Ginner, Politikwissenschaftler in Diensten der Arbeiterkammer Wien; im Mittelpunkt deren Ausführungen stand laut einer Aussendung der Männerbewegung der Umgang der Männer mit ihren Fähigkeiten und Talenten.

Damit dies bestmöglich gelingen kann, sind laut Riedl-Daser Motivation, Übung und Disziplin erforderlich. Um nach einer "Initialzündung" zu einer sich bewährenden Praxis zu gelangen, sei auch ein "Master Coaching" durch einen Mentor hilfreich, der die talentierte Person auf ihrem Weg begleitet.

Für Pfarrer Helmut Schüller haben Fähigkeiten und Talente ihren Urgrund in Gott und der von ihm ausgehenden schöpferischen Liebe. Diese "gute Grundkraft in unserer Welt" solle Anstöße geben, sich für Menschen unabhängig von ihrer Herkunft einzusetzen.

Boris Ginner, Bildungsreferent bei der Arbeiterkammer, unterstrich in seinem Referat die Bedeutung geregelter Arbeitszeiten mit ausreichend Freizeit und Erholung, damit auch Talente auch für Ehrenamt, Vereine und die Familie genützt werden können. Als gesellschaftlichen Hemmschuh stellte Ginner die ungerechte Vermögensverteilung in Österreich dar.

 

(V.l.n.r.) Christoph Riedl-Daser (Caritas St. Pölten), Herbert Nussbaumer (KMBÖ-Stv. Vorsitzender), Mag. Boris Ginner (AK Wien), Pfarrer Helmut Schüller

 

Sommerakademie der KMBÖ: Konsumverhalten und Glaube zur Teilhabe am öffentlichen Leben

 

Um „Ohnmacht und Wirkmacht“ ging es bei der 32. Sommerakademie von 11. bis 14. Juli 2018 in St. Pölten: Kann das Konsumverhalten den sozialen Frieden bewirken? Kann der Glaube zur Teilhabe am öffentlichen Leben motivieren? Diese Fragen standen im Fokus der zwei letzten Tage der Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung.

 

Etwa 100 Gäste betrachteten am dritten Tag der Sommerakademie mit Andrea Reitinger, Pressereferentin der EZA Fairer Handel GmbH, das Konsumverhalten aus der Sicht des fairen Handels. „Kann das Konsumverhalten zum sozialen Frieden beitragen? Doch was ist sozialer Friede?“

 

Reitinger stellte in ihrem Eröffnungsreferat klar, dass es keine eindeutige Definition vom sozialen Frieden nicht gibt: „Experten und Expertinnen haben für die UNESCO einen Rahmen ausgebarbeitet, der beschreibt, was es für eine „Kultur des Friedens“, braucht: Wertvorstellungen, Einstellungen, Traditionen und Lebensweisen müssten demnach zwei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen erstens das Leben achten, Gewalt beenden sowie Gewaltlosigkeit durch Erziehung und Zusammenarbeit fördern. Sie müssen zweitens eine ganze Reihe von Grundsätzen einhalten. Es geht dabei um Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Solidarität, Dialog und Verständigung auf allen Gesellschaftsebenen und zwischen den Nationen.“

 

Die Pressesprecherin der EZA Fairer Handel GmbH stellte zunächst fest:  „Was können wir für den sozialen Frieden tun? Das haben sich engagierte Menschen in Österreich bereits vor über 40 Jahren gefragt. Eine der Antworten war die Gründung der EZA Fairer Handel GmbH. Von Anfang an war mit dem Fairen Handel eine zentrale Frage verknüpft: Welche Menschen stehen hinter den Produkten und was hat das mit mir, was hat das mit uns zu tun? Ein kritisches Hinterfragen des eigenen Lebensstils und das Aufzeigen von Alternativen gingen dabei Hand in Hand.“

 

Als „Stärkung der demokratischen, genossenschaftlichen, kleinbäuerlichen Strukturen “ wertete Reitinger den Zusammenhalt in der Gemeinschaft in den Ländern des Südens, die der Faire Handel bei den Projektpartnerinnen und Projektpartnern ermöglicht. Gleichzeitig wies Reitinger darauf  hin, dass aus Ohnmacht Ermächtigung werde: „Ein besonders positives Beispiel ist etwa jenes unseres Kaffee Adelante – eines Kaffees aus Frauenhand, den die EZA gemeinsam mit der Katholischen Frauenbewegung 2015 lanciert hat und in den letzten zweieinhalb Jahren sehr erfolgreich am Markt verankern konnte. Die Kaffeebäuerinnen werden als kompetente Produzentinnen mit starker Stimme gehört. Sie besitzen ihr eigenes Land und entscheiden über ihr Einkommen. Keine Selbstverständlichkeit  im männerdominierten Kaffeegeschäft.“

 

(V.l.n.r.): Andrea Reitinger, Moderator Helmut Dachs (KMB Salzburg), Marco Fegerl

 

 

Konsumverhalten und Werbung

 

Zum Schlagwort Konsumverhalten und sozialer Friede  hielt Marco Fegerl, Verein für Konsumenteninformation, ein kurzes Einführungsreferat: „Bewusstes Konsumverhalten, das sozialen Frieden erhalten soll, muss eine Bündelung der Marktmacht verhindern.“ Für Fegerl soll das Ziel unseres Konsumverhaltens sein, durch Einkäufe die Produzenten, Verarbeiter, Händler und Dienstleister in der Region abzusichern. „Einkaufszentren zu meiden und zu kleineren Händlern vor Ort zu gehen ist eine bedeutende Macht, die dem Konsumenten zukommt. Zwar ist die Werbung der Einkaufszentren durch ihre finanzielle gut aufgestellte Werbung stets eine Verlockung. Doch wenn wir das Überleben der letzten Reste der Nahversorgung nicht sichern und wenn wir keine Grundlage für die Ansiedelung kleinerer Händler und Dienstleister schaffen, dann werden wir immer weiter erpressbar. Das Wir bezieht sich hier allerdings nicht nur auf uns Konsumenten. Auch der Gesetzgeber wird immer abhängiger von großen Unternehmen, bzw. Konzernen“, so Fegerl.

 

Fair gehandelte und regionale Produkte seien überhaupt eines der wichtigsten Begriffe in diesem Zusammenhang. In Österreich gäbe es hier den Versuch eines Gegengewichts zu der Marktübermacht. „Ich spreche von www.shöpping.at. Das ist ein Projekt der österreichischen Post in Zusammenarbeit mit vielen inländischen Unternehmen. Zwar steht hinter dieser Seite kein großer Marktspieler und die dafür bestehenden Finanzen sind deutlich kleiner. Doch ist das ein Marktplatz, der das Potenzial hat, die heimische Wirtschaft zumindest zum Teil zu erhalten“, betonte Fegerl.

 

Samstag, den 14. Juli: Kann der Glaube zur Teilhabe am öffentlichen Leben motivieren?

 

Dr. Georg Plank, Gründer und Geschäftsführer von Pastoralinnovation, bezeichnete in seinem Vortrag „Wie der Glaube zur Teilhabe am öffentlichen Leben motivieren kann“ Glaube als Geist, der in jedem Menschen wirkt. Jesus ist auf die Welt nicht als neuer Kaiser gekommen, er ist als Kind in Bethlehem zu uns gekommen und ist am Kreuz für uns gestorben. Der Glaube ist in erster Linie nicht ein Wissen, sondern es geht im Glauben um eine lebendige Beziehung die uns herausfordert und prägt. Plank wörtlich: „Der Glaube macht uns nicht gleichgültig, deswegen muss Glaube uns zur Teilhabe am öffentlichen Leben motivieren.“

 

Plank zitierte aus dem Markus Evangelium das Kapitel 3,7-8: „Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm. Auch aus Judäa, aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie von all dem hörten, was er tat.“ Jesus hat in der Synagoge am Sabbath einen Menschen geheilt. Jeder von uns kann es entscheiden, das neue Gesetz der Liebe der Barmherzigkeit. Nach der Heilung zieht er sich zurück, aber die Menschen kamen um ihn zu sehen, nur weil Jesus etwas gesagt hatte sondern „von all dem hörten, was er tat“. Kirche soll ein wunderbares Erlebnis mit Jesus sein. Die Begeisterung wird andere begeistern und motivieren.

 

(V.l.n.r.): Dr. Georg Plank, Moderator DI Bernhard Steiner (KMB Linz), Mag. Wolfgang Rank

 

Einen anderen Zugang als sein Vorredner brachte Mag. Wolfgang Rank, Präsident des Katholischen Laienrats Österreichs, in die Diskussion rund um Glaube und Teilhabe am öffentlichen Leben  ein.

„Seit 2000 bin ich beim Katholischen Laienrat Österreichs. Ich sehe diese Funktion als ein Auftrag Gottes.” Rank sieht der Glaube als eine Aufgabe, um Menschen zu dienen. Hier zitiert Rank eine Stelle aus dem Evangelium nach Markus: „ Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Mk 10,42).“

 

Rank erläuterte den Begriff der Teilhabe aus praktischer Sicht: „Unsere Aufgabe als Christen das Elend der Menschen wahrzunehmen, Mitleid zu haben, dann aktiv werden und das Ganze nicht als Mitläufer, sondern notfalls Widerstand zu leisten“, betonte Mag. Wolfgang Rank.

 

Die 32. Sommerakademie endete mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst mit Pfarrer Andreas M. Jakober, geistlicher Assistent der KMBÖ.

 

Frage des Monats:

Sollen Ziffernnoten verpflichtend ab der zweiten Klasse in den Schulen vergeben werden?

 

Frage im September:

Was machen Sie mit Ihrem Urlaubskleingeld??

 

31% antworteten "sammle als Souvenir", 44% "habe keins" und 25% "spende an die KMB".

 

 

 

Katholische Männerbewegung Österreich
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